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03 Flusswald

Nachdem Nanija wieder auf ihren Beinen stand, trat Ralof an Nanija heran und ergriff ihren Arm, den er um seine Schulter legen wollte, damit sie sich besser abstützen konnte. Diese recht überraschend kommende Berührung gefiel Nanija überhaupt nicht. Niemand durfte sie ungefragt so anfassen. Sie zog ihr Messer und hielt es Ralof unter das Kinn. 

„Lasst mich auf der Stelle los, oder ihr werdet es bereuen“, ihr Ton war eindeutig und Ralof trat schnell zurück. 

„Was ist los mit euch, Mädchen? Ihr könnt kaum laufen, also ist es doch wohl besser, wenn ich euch stütze.“ 

„Lasst das meine Entscheidung sein. Niemand fässt mich ungefragt so an“, stieß sie wütend hervor. 

Ralof trat ein paar Schritte zurück. „Ist ja schon gut, ich werde Abstand von euch halten. Ich hatte nicht vor euch zu nahe zu treten. Es tut mir leid, sollte der falsche Eindruck entstanden sein.“ Er wusste nicht was er noch sagen sollte. Mit so einer heftigen Reaktion hatte er nicht gerechnet. Wahrscheinlich lag es an der ganzen Aufregung und Erschöpfung. 

Nanija sah sich um. Sie entdeckte einen stabilen Ast mit Gabel, der wohl beim letzten Sturm von einem der großen Bäume herabgefallen war. Vorsichtig humpelte sie rüber und sah ihn sich an. Er war etwas lang, aber wenn man unten etwas abhackte würde er seinen Zweck erfüllen. Ralof sah ihr zu, als sie den Ast mit ihrem Schwert bearbeitete, dass sie zuvor einem der kaiserlichen abgenommen hatte und gegen die Axt von Gunja getauscht hatte. Er fragte vorsichtig, ob er helfen könne, aber Nanija schüttelte den Kopf. Als sie fertig war probierte sie die Krücke aus und war zufrieden. Zwei davon wären sicherlich besser, aber so war es auf alle Fälle besser als gar nichts. Und sie fühlte sich nicht mehr von Ralof abhängig. 

„Seid ihr sicher, dass es so geht“, fragte Ralof vorsichtig und Nanija humpelte zügig mit Hilfe ihrer neuen Krücke davon. 'Frauen', dachte Ralof und schüttelte nur den Kopf. Letztendlich war er aber selbst froh, das Nanija ohne seine Hilfe gehen konnte, denn er spürte wie seine eigene Wunde anfing zu schmerzen. Außerdem war er so auch besser in der Lage, sollten sie angegriffen werden sich verteidigen zu können. Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander den Weg entlang. 

Irgendwann fragte Ralof: „Wollt ihr mir erzählen, wo ihr genau herkommt und was euch in diese Gegend verschlagen hat?“ Nanija sah den blonden Nord kurz an und schüttelte dann den Kopf. Wieder zuckte Ralof nur mit den Schultern. Er spürte, dass irgendwas geschehen sein musste, das dazu beigetragen hatte, das Nanija scheinbar die Gegenwart andere zu meiden schien. Denn warum sonst hätte sie alleine durch die Gegend ziehen sollen. Der Tag neigte sich langsam dem Ende entgegen. 

„Wir sollten uns ein ruhiges Plätzchen abseits des Weges suchen, wo wir die Nacht verbringen können. Ganz in der Nähe fließt ein kleiner Bach vorbei. Ich denke, dort finden wir einen geeigneten Ort.“ 

„Ja, das hört sich gut an.“, nickte Nanija zustimmend. 

Eine halbe Stunde später erreichte sie den Bach und sie fanden dort auch eine gute Stelle bei einem umgestürzten Baumstamm, hinter denen sie ihr Nachtlager aufschlagen konnten. Man würde sie vom Weg aus nicht bemerken, aber sie konnten sehen, ob jemand anderes den Weg entlang ging. Am Bach wuchsen ein paar Beerensträucher die noch Früchte vom letzten Herbst trugen. Nanija probierte vorsichtig einige davon und spuckte die schnell wieder aus, da sie ungenießbar waren. Auch einen wilden Apfelbaum gab es in der Nähe, an dem noch ein paar recht sauer aussehende Äpfel hingen. Ralof pflückte ein paar. Fische gab es in dem Bach nicht, dafür war er zu klein. 

Der Winter war sehr mild gewesen und es war für die Jahreszeit recht warm. Daher beschlossen sie beide, dass sie lieber kein Feuer machten, um nicht bemerkt zu werden. Sie setzten sich an den Bach und tranken etwas. Jetzt erst merkten beide wie hungrig und durstig sie waren. Die Äpfel waren genauso sauer wie sie aussahen, aber ansonsten essbar. Nachdem sie sich etwas gestärkt hatten, versuchte Nanija ihren Stiefel auszuziehen, was ihr aber nicht gelingen wollte. So beschloss sie ihn mit ihrem Messer aufzuschneiden. Ralof wollte ihr helfen, aber Nanija lehnte es ab. Nachdem es ihr gelungen war, den Stiefel auszuziehen, kühlte ihren Fuß, der dunkelblau angelaufen war und recht dick aussah im klaren und kalten Wasser. Das getrocknete Blut aus ihrem Gesicht hatte sie auch abgewaschen. Man sah mehrere tiefe Kratzer, die leuchtend rot schimmerten. Anzeichen, das sich etwas entzündet hatte waren nicht zu sehen. 

„Ich wünschte wir hätten etwas Heilsalbe, um euch zu behandeln. So werdet ihr ein paar hässliche Narben zurück behalten.“ Sagte Ralof betrübt. 

„Es gibt Schlimmeres“, sie versuchte zu lächeln. 

Ralof selbst hatte beschlossen nicht nach seiner Wunde zu schauen. Er wollte Nanija nicht zusätzlich beunruhigen. Und wenn er jetzt seine Rüstung auszog würde sie sehen, das er verletzt war. Morgen würden sie in Flußwald ankommen und dann würde Gerdur schon was machen können. 

Sie schwieg eine Weile. Dann sagte Nanija plötzlich. „Danke, dass ihr euch um mich kümmert und nicht einfach bei der Höhle zurück gelassen habt.“ Ralof lächelte zurück. „Einen guten Kameraden lässt man nicht zurück.“ 

Die Sonne verschwand hinter den Bäumen und es wurde schnell dunkel. In der Ferne sah man auf der anderen Flussseite auf dem Berg eine Ruine der alten Nords stehen. 

„Das ist das Ödsturtzhügelgrab“, erkläre Ralof Nanija. „ Als Kind hatte ich immer Angst, die Drauge und Toten würden nachts dort hinunter kommen und mich fressen. Ich habe nie verstehen können, wie meine Schwester im Schatten der Ruine leben mag.“ 

„Und heute?“, fragte Nanija, „Fürchtet ihr die Ruine noch immer?“ 

Ralof starrte zum Grab hinüber. „Ja.“ dann schwieg er und auch Nanija sagte nichts mehr. Sie legten sich hin und irgendwann schliefen beide ein. 

Es war noch dunkel als Nanija erwachte. Sie brauchte einen Moment um sich zu orientieren. Dann spürte sie wie ein leichter Schmerz durch ihren Fuß zog und die Erinnerung an den gestrigen Tag kam zurück. Langsam stand sie auf. Ralof schlief noch fest. Ohne ihn zu wecken humpelte sie zum Bach hinüber und hielt dann ihren leicht schmerzenden Fuß in das kühle Nass. Der Schmerz begann nachzulassen. Als es heller wurde konnte sie erkennen, dass die Schwellung zurückgegangen war. Die dunkle Farbe würde sich wohl noch etwas länger halten. Aber das störte sie nicht weiter. Sie begann von den langen Grashalmen, die am Bachufer wuchsen, welche zu sammeln. Daraus würde sie sich ein paar Schnüre flechten, mit denen sie den Aufgeschnitten Stiefel etwas zusammenbinden konnte. 

Sie setzte sich wieder an das Wasser und kühlte ihren Fuß, während sie sich an die Arbeit machte. Ralof schlief immer noch tief und fest. Als sich bei ihr der Hunger bemerkbar machte ging sie zurück zum an ihren Lagerplatz und nahm sich einen der sauren Äpfel. Dann beschloss sie, dass es an der Zeit war, dass auch Ralof aufstehen sollte. Vorsichtig berührte sie ihn an der Schulter und schüttelte ihn dann leicht. Benommen drehte er sich zu ihr um. Nanija erschrak als sie sein glühendes Gesicht sah. Er hatte über Nacht heftiges Fieber bekommen. Wie konnte das nur sein, fragte sie sich. Dann sah sie den großen rötlichen Fleck an seiner zerschlissenen Rüstung. Verdammt, er musste sich auf ihrer Flucht gestern verletzt haben. Warum hatte er nur nichts gesagt? Sie fluchte leise. Wenn er jetzt hier starb, würde sie einen neuen Plan erarbeiten müssen, um den Sturmmänteln bei zu treten. 

Vorsichtig begann sie die Rüstung zu öffnen. Glücklicherweise, war es eine die man vorne auf machen konnte. 

Ralof brummte vor sich hin als sie sich ans Werk machte. Nachdem es ihr gelungen war die Rüstung soweit zu öffnen, dass sie an die verletzte Stelle gut rankam, schob sie sein Leinenhemd hoch und sah sich die Wunde an. Wieder fluchte sie leise. Sie war keine Heilkundige, aber sie erkannte, dass es nicht gut aussah. Die Wunde hatte sich dunkel verfärbt und eitriger Ausfluss lief heraus. So konnte er nicht weitergehen. In der Nähe wuchsen auch noch keine Heilpflanzen, so das Nanija nichts großartig machen konnte. 

Was sagte er gestern? Seine Schwester lebte in einem kleinen Ort nicht weit von Helgen entfernt. Ihr gehörte die Sägemühle. Würde sie es alleine schaffen bis dorthin zu gelangen, um Hilfe zu holen? Und sollte sie den blonden Nord hier alleine zurücklassen? Aber was war die Alternative? Zu hoffen, dass irgendwelche Reisenden vorbei kämen, die ihr helfen konnte? Da würde sie wohl bis in alle Ewigkeit warten können. Abgesehen davon wäre es unklug, Fremden zu vertrauen, wenn man im Sturmmantelgewand gekleidet war. Hier war das Gebiet der Kaiserlichen und sie würden gemeinsam gleich wieder gefangen genommen werden. Nein, sie musste es alleine nach Flusswald schaffen. Zuvor zerriss sie noch Ralofs Hemd und ging damit zum Bach. Er musste etwas Flüssigkeit zu sich nehmen, und da sie ihn nicht ragen konnte und auch keine Gefäß hatte, wo sie etwas Wasser hineinfüllen konnte, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihm mit Hilfe des Tuchs etwas Wasser zu geben. 

Es gelang ihr auf diese Weise Ralof etwas Wasser zukommen zu lassen. Danach legte sie das feuchte kalte Tuch auf seine Wunde. Sie zog sich vorsichtig den zerschnittenen Stiefel über und band ihn mit den geflochtenen Gräsern zusammen. Es hielt besser, als sie gedacht hatte. Dann nahm sie die Krücke und versuchte ein paar Schritte zu gehen. Es ging heute viel besser als gestern. Sie hoffte dass es ihr gelingen würde rechtzeitig zurück zu kommen. Sie kniete sich noch mal neben dem zwischenzeitlich bewusstlos gewordenen Mann nieder „Halter durch, ich hole so schnell ich kann Hilfe.“ 

Dann machte sie sich auf den Weg. Sie ging so schnell ihr verletzter Fuß es zuließ. Trotzdem kam sie nur langsam vorwärts. Die ganze Zeit hoffte sie, das Ralof es überstehen würde. Am Nachmittag erreichte sie Flusswald. Eine alte Frau sah sie kopfschüttelnd an. Wo mochte sich die Sägemühle befinden? Sie beschloss, in der Schmiede nach zu fragen. 

„Hallo“, sprach sie den Schmied an, der sie wie schon die alte Frau zuvor argwöhnisch anschaute. „Ich bin auf der Suche nach Gerdur von Flusswald. Ich muss sie dringend finden.“ 

„Dann geht ihr am besten dort neben der Schmiede den Steg entlang. Auf der kleinen Insel befindet sich die Sägemühle, dort sollte Gerdur irgendwo am Arbeiten sein.“ 

„Danke für die Auskunft“, Nanija lächelte den Schmied an und ging dann in die ihr genannte Richtung. Sie musste nicht lange suchen. Als sie den Steg betrat, kam ihr eine Frau entgegen. „Seid ihr Gerdur von Flusswald?“, fragte Nanija sie sofort. 

Die angesprochene Frau musterte Nanija von Kopf bis Fuß und sah sie missbilligend an. 

„Wer will das wissen?“ 

„Ich bin Nanija. Bitte, ich, nein Ralof braucht dringend Hilfe. Er liegt schwer verletzt eine gute halbe Tagesreise zu Fuß von hier entfernt. Wenn ihr ihm nicht helft wird er sterben.“ Die Worte sprudelten aufgeregt aus Nanija heraus. 

„Beruhigt euch erst mal.“ 

„Bitte, ihr müsst mitkommen und ein paar Leute um ihn zu tragen. Ich musste ihn zurücklassen, denn ich konnte selbst kaum laufen.“ Sie deute auf ihren verletzten Fuß und versuchte ein paar Tränen hervor zu bringen. 

„Warum sollte ich euch glauben? Mein Bruder ist weit fort von hier in Windhelm.“ 

„Bitte, was kann ich tun damit ihr mir glaubt? Warum sollte ich hierher kommen und in seinem Namen um Hilfe bitten?“ 

„Ihr habt Recht.“ Sie sah sich um. „Hod!“ man hörte von der Sägemühle ein brummen. „Hod, seht zu das ihr herkommt. Macht die Kutsche fertig, wir müssen jemanden abholen.“ 

„Seit wann sind wir ein Fuhrunternehmen, Frau?“ 

„Verdammt, Hod, macht was ich euch sage und beeilt euch.“ Ihre Stimme klang resolut. 

„Ihr wartet hier ich komme gleich wieder.“ 

Nanija sank erschöpft zu Boden. Sie hatte seit dem frühen Morgen nichts mehr gegessen. Gerdur rannte unterdessen so schnell sie konnte nach Hause. Dort suchte sie ein paar Kräuter Salben und etwas Verbandzeugs zusammen. Ihrem Sohn Frodnar, der gerade mit seinem Hund vom Spielen zurück kam, wies sie an, das Bett von Ralof fertig zu machen und zusätzlich eine Schlafstätte zu erreichten, für einen weiteren Gast. Der Junge sah sie erstaunt an. „Onkel Ralof besucht uns? Wann kommt er?“ der Junge war ganz aufgeregt. Sein Traum war es schon immer, seit er denken konnte, wie sein Onkel zu den Stummänteln zu gehen. 

„Wir holen ihn gleich ab. Ihr bleibt hier und wartet. Ihr könnt aber schon mal Wasser holen und einen Kessel voll kochen.“ 

Frodnar tat, was seine Mutter sagte. Gerdur suchte auch noch etwas zu essen zusammen und nahm auch einen Becher mit. Das Mädchen sah ziemlich hungrig aus. Sie hörte, wie draußen die Kutsche vorfuhr. Hod hatte sich wirklich beeilt. Sie verließ schnell das Haus und sprang zu ihrem Mann vorne auf den Kutschbock. Am Steg neben der Schmiede, saß Nanija wartend. 

Als sie die Kutsche kommen sah, sprang Nanija auf. Dabei schrie sie kurz vor Schmerz auf. Sie hatte vergessen, dass sie ihren Fuß nicht belasten durfte. Gerdur half ihr auf die Kutsche und dann ließ Hod, das Pferd so flott es ging vorwärts traben. 

Gerdur reichte Nanija etwas Brot, was diese dankbar annahm. In kürzester Zeit hatte sie es runtergeschlungen. Gerdur sah sie immer noch skeptisch an. „Und nun erzählt, was ist passiert und warum ist mein Bruder schwer verletzt?“ 

Nanija erzählte, dass sie nahe Dunkelwasserkreuzung in eine Falle der Kaiserlichen geraten waren und wie sie anschließend entkommen waren. Das mit dem Drachen wollten weder Gerdur noch Hod so richtig glauben. Aber sie schwiegen und widersprachen Nanija nicht. Das Mädchen sah eh ziemlich fertig aus. 

Fast vier Stunden brauchten sie um zu der Stelle zu gelangen, wo Nanija Ralof zurück gelassen hatte. Denn es ging die ganze Zeit bergauf und die Straße war recht uneben, so dass man nicht sonderlich schnell fahren konnte. 

Sie fanden Ralof fast genauso wie ihn Nanija verlassen hatte. Er war immer noch Bewusstlos und er atmete nur noch sehr flach. Nanija war erleichtert, dass er noch lebte. Auch dass er nicht von wilden Tieren angefallen worden war, von denen es hier eigentlich so wimmelte. Gerdur nahm ihren Beutel mit den sauberen Tüchern und Kräutern und begann erst mal die Wunde auszuwaschen. Sie wies Nanija an, die sich zu ihr gekniet hatte die Stirn von Ralof zu kühlen. Hod sollte dafür sorgen, dass die Tücher immer schön nass und kühl waren. 

„Warum habt ihr die Wunde nicht schon gestern Abend gesäubert, fuhr Gerdur Nanija an, nachdem sie fertig war. „Das hätte Schlimmeres verhindern können.“ Sie hatte große Angst um ihren „kleinen“ Bruder. „Es ist eure Schuld wenn er es nicht übersteht.“ 

„Ich wusste nicht, dass er verwundet war. Er hatte nichts gesagt“, flüsterte Nanija. 

„Wie könnt ihr es nicht mitbekommen haben, das Ralof so verletzt wurde…“ 

Weiter kam sie nicht, denn Hod mischte sich ein. 

„Jetzt ist keine Zeit für Vorwürfe, Gerdur. Er muss so schnell wie möglich zu uns nach Hause geschafft werden. Dann werde ich weiter nach zur der Kleinen Hütte im Wald reiten um Anise zu holen.“ 

„Ihr habt Recht, lasst ihn uns auf den Wagen legen.“ 

Hod hob Ralof vorsichtig hoch und legte ihn hinten auf die Ladefläche des Wagens. Gerdur und Nanija kletterten auch hinten rauf und knieten neben dem Verletzten. So fuhren sie so vorsichtig zurück nach Flusswald. Gerdur war froh, dass sie letztes Jahr die Kutsche, und das Pferd angeschafft hatten, um ihr Holz selbst zu den Käufern zu bringen, damit es nicht wochenlag bei ihnen rumlag. 

Es war schon weit in der Nacht, als sie endlich Flusswald erreichten. Frodnar kam ihnen entgegen gelaufen. Hod ließ ihn auf dem Kutschbock mitaufsteigen, damit er nicht den ganzen Ort mit aufweckte weil er Ralof begrüßen wollte. Als er seinen Onkel so bleich und fast leblos auf dem Wagen liegen sah schwieg er. 

Vor dem Haus hielt Hod an und sagte Frodnar er solle das Pferd ausspannen und dafür satteln. Das Pferd war sehr gutmütig und man konnte es überall hinstellen und es bleib so lange stehen bis man etwas anderes sagte. So konnte Frodnar es von der Bank aus, die vor dem Haus stand, satteln. Hod machte sich sobald der Junge fertig war auf den Weg nach Weißlauf. 

Im Haus hatte Frodnar, wie es seine Mutter verlangt hatte ein zweites Lager neben dem von Ralof aus Stroh und einigen Laken errichtet, wie sie es öfters taten, wenn Ralof unerwarteten Besuch mitbrachte, der nicht im Gasthof übernachten konnte. Der Junge wusste, dass er jetzt besser nicht im Weg stand und setzte sich auf sein eigenes Bett und beobachtete, wie seine Mutter sich um ihren Bruder kümmerte. Nachdem sie ihn mit Hilfe von Nanija weitestgehend entkleidet hatte, wandte sich Gerdur an Nanija. „Es tut mir leid, dass ich euch vorhin so angefahren habe. Dabei seid ihr trotz eurer eigenen Verletzung zu uns gekommen und habt uns Bescheid gegeben und zu ihm gebracht. Lasst mich mal nach eurem Fuß sehen. Für Ralof kann ich im Moment eh nichts weiter machen.“ 

Nanija schüttelte den Kopf. „Mir geht es gut. Ich brauche nur etwas ruhe, dann kann ich in ein zwei Tagen wieder gehen.“ 

Gerdur ignorierte diese Worte und bugzierte Nanija zu dem Lager, das man für sie errichtet hatte und zog ihr vorsichtig die Stiefel aus. „Frodnar, hol mir bitte den Topf aus dem kleinen Nachtschrank mit dem Deckel auf dem ein grüner Kreis gemalt ist.“ Der Junge sprang auf und holte den Topf herbei. In ihm befand sich eine dunkle Masse. Es war eine kühlende Salbe, die Gerdur von Danica, der Heilerin aus Weißlauf bekommen hatte, da sich ihr Sohn öfters mal verletzte, wenn er draußen wild am Spielen war. Gerdur tat etwas von der Salbe auf Nanijas Fuß und diese spürte sofort die schmerzstillende Wirkung. „Ich danke euch, Gerdur. Das tut gut.“ 

Gerdur lächelte kurz, dann legte sie Nanija noch einen Verband an. „Nun solltet ihr aber versuchen zu schlafen. Ihr seht ziemlich am Ende aus.“ 

Nanija nickte nur und schon wenige Minuten später war sie tief und fest eingeschlafen. Die Ereignisse hatten sie stärker mitgenommen als sie vermutet hatte. Jetzt wo sie in Sicherheit war, holte sich ihr Körper was er brauchte. 

Es war schon weit nach Sonnenaufgang als Nanija aufwachte. Nanija war froh, dass die Kräuteressenz, die sie sonst regelmäßig nahm, immer ein paar Tage brauchten, bevor sie ihre Wirkung verloren. In zwei, drei Tagen würde sie neue brauchen, und es sollte sicherlich möglich sein, hier im Ort die notwenigen Zutaten für ihren Trank zu erhalten. Langsam richtete sie sich auf und versuchte ihre Gedanken zu sammeln. Gerdur saß am Bett ihres Bruders und kühlte seine Stirn. Ralof war weiterhin nicht bei Bewusstsein. Ein Junge saß neben ihr. Das musste der Sohn von Gerdur sein, erinnerte sich Nanija. Die beiden hatten nicht mitbekommen, dass sie erwacht war. 

„Wie geht es ihm“, fragte Nanija leise, nachdem sie sich auf ihrem Lager aufgerichtet hatte. 

Gerdur sah sie an und schüttelte traurig den Kopf. „Unverändert. Ich hoffe Hod kommt bald mit Anise. Den weg im Dunkeln zur Hütte zu finden ist nicht einfach.“ Dann wandte sie sich an ihren Jungen. „Los Frodnar, bring Nanija etwas zu essen und trinken. Sie soll noch etwas liegenbleiben und ihren Fuß schonen.“ 

Der Junge tat wie geheißen und brachte ihr ein wenig Brot und Aufschnitt, sowie einen großen Becher Kräutertee. Als Nanija der Geruch von dem frisch gebackenen Brot in die Nase stieg, merkte sie erst wie hungrig sie war. Fast gierig schlang sie es hinunter. Sie war gerade fertig mit dem Essen, als sie draußen Hufgetrappel hörten. Hod und Anise waren angekommen. Frodnar lief hinaus, um sich um das Pferd zu kümmern. Hod und die alte Heilerin betraten dann das Haus. Gerdur begrüßte die Heilerin freundlich. Die Heilerin war schon recht betagt und sie musste halb blind sein, so trübe wie ihre Augen aussahen. Irgendwie machte sie keinen sonderlich vertrauend erweckenden Eindruck auf Nanija. Aber es gab wohl sonst hier weit und breit niemanden, der der Heilkunst wirklich mächtig war. Gerdur führte die alte Frau schweigend zu ihrem Bruder ans Bett. 

Sie sah sich die Wunde genauer an und frage dann mit rauer leicht krächzender Stimmer: „War es eine Frostbissspinne?“ Gerdur sah zu Nanija hinüber. Diese nickte. „Vermutlich ja, zwei dieser Tiere haben uns in einer Höhle überrascht. Eine davon muss Ralof erwischt haben, aber er hat es nicht gesagt.“ Die Heilerin nickte. „Tja, wenn man so einem Biss nicht gleich behandelt, kann er gefährlich werden. Aber Ralof hatte Glück, denn wenn er an ein giftiges Weibchen geraten wäre, dann wäre er schon lange in Sovengarde.“ 

Anise holte aus ihrem Beutel ein kleines Fläschchen mit einer trüben Flüssigkeit. „Gebt ihm hiervon alle zwei Stunden fünf Tropfen in einem halben Becher Wasser und sorgt dafür, dass er es trinkt. Das sollte die Entzündung aus seinem Körper vertreiben. Dann gab sie Gerdur noch eine Schale, die mit einer eklig riechenden Salbe gefüllt war. „Und das dreimal am Tag auf die Wunde auftragen. Vorher die Reste und den Ausfluss aus der Wunde gründlich mit warmen Wasser entfernen. Die Tropfen soll er mindestens drei Tage alle zwei Stunden bekommen, danach sollte es alle vier Stunden reichen. Die Salbe solang verwenden, bis die Wunde sich von alle schließt. Das kann gut eine Woche dauern. Er wird eine hässliche Narbe zurückbehalten, aber was ist ein Mann schon wert, wenn er keine Narben trägt“, zwinkerte Anise Gerdur zu. Diese lachte nur. 

Bevor die alte hexe, wie Nanija sie in Gedanken bezeichnetet, sich wieder verabschiedete, sah sie sich noch die Verletzung in Nanijas Gesicht an. „Hm… ein Mann mit Narben wird gerne gesehen, eine Frau sollte aber keine Sichtbaren tragen. Die Kratzer verheilen bei euch gut. Aber ihr werdet immer sichtbare Spuren zurück behalten.“ 

„Ich bin Jägerin, da muss man mit so etwas immer rechnen“, antwortete Nanija etwas ungehalten, weil sie keine Lust hatte, sich mit der Heilerin zu unterhalten. Aniseragierte nicht auf die schroffe Art, denn die junge Frau hatte scheinbar auch ein paar anstrengende Tage hinter sich. Da konnte es schon vorkommen, dass jemand etwas ungehalten reagierte. Und Fremde waren ihr gegenüber immer recht abweisend. Doch dann fragte Nanija sie: „Habt ihr vielleicht in paar Heilkräuter dabei die ihr entbehren könnt?“ 

„Was braucht ihr denn und wofür?“ Danica war erstaunt über den plötzlichen Wandel der jungen Frau. 

„Tollkirsche, Rauen Wulstling, Schimmerpilze und eine Sumpfpilzschote. Ich leide manchmal an Schlafstörungen und kann mir daraus einen Trank mischen, der dafür sorgt, dass ich Nachts nicht ständig erwache.“ 

Anise schaute in ihren Beutel und kramte ein paar Zutaten hervor. „Ihr wisst, das Tollkirsche falsch dosiert tödlich sein kann? Ich würde euch zu einer anderen Mischung ohne diese Pflanze raten. Ihr sollte mich mal in Ruhe in meiner Hütte besuchen. Vielleicht gibt es eine harmlosere Mischung, die dieselbe Wirkung hat.“ Während sie sprach, reichte die Heilerin Nanija die Dinge, um die diese gebeten hatte. Nanija setze ein dankbares Lächeln auf und fragte dann noch, was Anise dafür haben wollte. Die Heilerin winkte aber einfach ab. „Lasst gut sein. Ich alte Frau brauche kaum noch etwas.“ Nanija nickte nur. 

Dann verabschiedete sich Anise von Gerdur und Nanija und machte sich dann wieder auf den Weg zu ihrer Hütte. Gerdur wollte Hod holen, damit er sie wieder auf dem Pferd zurück brachte, aber die alte Frau winkte ab.

„Ein Spaziergang kann nie schaden.“ 

Dann verlies sie das Haus. Gerdur sah etwas misstrauisch zu Nanija hinüber, die sorgsam die Kräuter neben ihre Schlafstätte gelegt hatte. 

Frodnar kam nachdem Anise gegangen war, wieder hinein gestürmt, so das Gerdur aber keine weitere Zeit blieb über Nanija nahzudenken. „Wie geht es Onkel Ralof? Wird er bald wieder gesund werden?“ Gerdur strich dem Jungen mit der Hand durch das struppige Haar. „Es wird ein paar Tage dauern und euer Onkel braucht bis dahin viel Ruhe. Daher solltet ihr hier drinnen nicht so herumtoben.“ Nanija drehte sich um. Den Anblick, wie Gerdur mit dem Jungen umging erinnerte sie an ihre Mutter und ihrem kleinen Bruder. Es machte sie wüten und traurig zugleich. Sie würde sich an denjenigen rächen, die das getan hatten. Und jedem der sich ihnen freiwillig anschließen wollte. Frognar verließ kurz darauf das Haus und ging hinüber zur Sägemühle um dort seinem Vater zur Hand zu gehen. 

Gerdur kümmerte sich den restlichen Tag um Ralof und saß fast die ganze Zeit an seinem Bett. Nanija sollte ja ihren Fuß schonen, so blieb auch sie die ganze Zeit auf ihrer Lagerstätte liegen. Auch den nächsten Tag saß Gerdur fast die ganze Zeit am Bett ihres Bruders. Nanija blieb die meiste Zeit auf ihrem Lager oder setze sich an den großen Tisch. Zwischendurch hatte sie mit den Kräutern und Pilzen, sowie etwas Wasser und einem Schuss Cyrodiilischen Brandwein, den Gerdur ihr gab, als sie nach etwas Alkoholischem fragte, ihren Schlaftrunk zubereitet. 

Auf die Frage von Gerdur, woher ihre Schlafstörungen kamen, antwortete Nanija nur kurz und knapp: „Ein schlimmes Erlebnis in meiner Kindheit. Seitdem brauche ich manchmal etwas, damit ich Nachts nicht ständig Alpträume habe und wach werde. Bitte fragt mich nicht was passiert ist, ich will nicht darüber sprechen.“ Gerdur nickte verständnisvoll und stellte keine weiteren Fragen. Sie wusste weiterhin nicht, was sie von der Frau halten sollte. 

Gerdur hatte ihr einige ihrer Bücher gegeben und so langweilte sich Nanija nicht so sehr. Wie lange war es her das sie einfach mal ruhe zum Lesen hatte? Am späten Nachmittag erwachte Ralof dann das erste Mal für einige Minuten. Sowohl Gerdur, als auch Nanija freuten sich sehr darüber, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Nanijas Plan, mit Hilfe von Ralof nahe bei Ulfric den Sturmmänteln beizutreten, war damit weiter Ausführbar. 

Am folgenden Tag begann Nanija langsam immer mal wieder ein paar Schritte vorsichtig zu gehen. So lange sie ihren Fuß nicht voll belastete, merkte sie kaum noch etwas. Ralof war seit dem Morgen durchgehend wach. Er erzählte Gerdur, auch noch mal im Detail, wie er und seine Truppe in Gefangenschaft gerieten und anschließend entkommen waren. Als auch er den Drachen erwähnte, wurde Gerdur doch etwas blass. „Ich dachte, das wäre der Fantasie eurer Begleiterin entsprungen.“ Gerdur konnte sich nicht helfen, aber irgendwie konnte sie keinen richtigen Draht zu ihrem Gast finden. Die junge Frau wirkte irgendwie etwas verschlossen, als würde sie irgendwas verbergen. Ralof lachte vorsichtig: „Schwester, warum sollte sie euch einen Bären aufbinden wollen?“ Gerdur zuckte darauf nur mit den Schultern.

Am Nachmittag ging Gerdur hinüber zur Mühle und bat Nanija sich um ihren Bruder zu kümmern, sollte er etwas brauchen. Nanija nickte und setze sich an den Küchentisch, von wo aus sie Ralof gut im Blick hatte. Die Erzählungen am Morgen hatten ihn doch etwas angestrengt und so verschlief er fast den ganzen Nachmittag. Einmal musste Nanija ihn wecken, damit er seine Medizin schlucken konnte.

An nächsten Morgen ging Gerdur gleich morgens mit ihrem Mann zur Mühle. Sie hatten einen größeren Auftrag abzuarbeiten und da konnte sie nicht den ganzen Tag zu Hause bleiben. Zumal ihr Gehilfe Ruben, seit einer Woche nicht arbeiten konnte. Er hatte sich unglücklich die Hand zwischen zwei Stämmen gequetscht, als er versuchte diese wieder auszurichten, weil sie irgendwie in Schieflage geraten waren. 

Nanija hatte versprochen sich um Ralof zu kümmern. Auf sein Bitten hin nahm sie einen Stuhl und setzte sich zu ihm. Er bat sie ihm etwas über sich zu erzählen, aber sie schüttelte nur den Kopf. Also erzählte Ralof wie er mit seiner Schwester hier groß geworden war. Da Ralof noch immer sehr geschwächt war, wurde er schnell müde und schlief immer mal wieder ein wenig. Zu Mittag kamen Gerdur, Hod und Frodnar zum Essen nach Hause. Gerdur wärmte das Essen vom Vorabend auf, da jetzt nicht genug Zeit war um etwas zu kochen. Nachdem sich Gerdur versichert hatte, das es Ralof auch wirklich gut ging, gingen sie wieder an die Arbeit. Ho warf Nanija von Gerdur unbemerkt einen bedauernden Blick zu, weil er der Meinung war, dass es nicht so die feine Art war, Nanija das Gefühl zu geben, sie wäre nicht in der Lage, sich um Ralof zu kümmern. 

Auch Ralof bedauerte es, das seine Schwester Nanija gegenüber etwas abweisend war. Diese beruhigte ihn und meinte, das würde sie nicht stören. Sie tat was sie für richtig hielt. Ralof war froh das Nanija das so sah. Er hatte schon Angst sie würde gehen, wenn sie so behandelt wurde. Seine Schwester war schon immer recht resolut und brauchte ihre Zeit, um anderen zu vertrauen oder Freundschaft mit ihnen zu schließen. 

Und wieder war es Ralof der den Nachmittag größtenteils redete. So verging der Tag recht schnell. Und am Abend kannte Nanija fast jeden der Dorfbewohner vom Erzählen her. Wirklich zuhören tat sie aber nur, als Ralof von seinen Abenteuern und Streichen, die er gemeinsam mit Hadvar erlebt und ausgeführt hatte, sprach. 

Gerdur kam schon etwas früher nach Hause als Hod und Frodnar, damit sie das Abendessen zubereiten konnte. Als Nanija höflich fragte, ob sie helfen konnte, nickte Gerdur schweigend. So begann sie Kartoffeln zu schälen und das Gemüse zu waschen während sich Gerdur um das Zubereiten des Fleischs kümmerte. Als die Dunkelheit hereinbrach kamen auch Hod und Frodnar hungrig nach Hause. 

Nach dem Essen setzte sich Gerdur noch etwas mit Frodnar hin und übte mit ihm Rechnen. Nanija hatte angeboten den Abwasch alleine zu erledigen. Hod setzte sich zu Ralof und unterhielt sich mit ihm, während die anderen beschäftigt waren. Anschließend begaben sich alle zu Bett, denn die vorherigen Tage waren für alle anstrengend gewesen. 

Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Ab und an gelang es Ralof dann doch mal, Nanija dazu zu bewegen etwas über ihre Herkunft erzählen. Wobei sie trotzdem kaum was von ihrer Familie erzählte. Ralof sah sie traurig an, als sie erzählte, dass ihre Familie an einer heftig in der Gegend wütenden Epidemie starb. Er wünschte sich, sie tröstend in die Arme nehmen zu können, aber er musste noch liegen bleiben. So ergriff er nur ihre Hand. Im ersten Moment wollte Nanija sie ihm sofort entziehen, aber dann ließ sie Ralof sie für einen kurzen Moment halten. Ralof lächelte sie an. 

Er fand, dass Nanija anders war, als die Mädchen die er sonst kannte. Er hatte schon die ein oder andere Freundin gehabt, aber es bleib meist bei ein paar gemeinsamen Nächten und dann gingen sie wieder auseinander. In Windhelm war er mit seinen Kameraden regelmäßig in der ‚Roten Karaffe‘ anzutreffen, wo er von den dort angestellten Mädchen gerne bedient wurde und das nicht nur im Schankraum. Ralof wusste so gut nichts von dem Mädchen, das hier nun an seinem Bett saß, aber er hatte sich Hals über Kopf in sie verliebt. Ihre schroffe abweisende Art nahm ihn gefangen. Er verstand es selbst nicht, sowas passierte doch nur in irgendwelchen romantischen Geschichten. 

Nanija zwang sich zurückzulächelte. Während sie das tat sah sie wieder die Bilder vor sich wie die Männer in den blauen Uniformen, wie die, die neben Ralofs Bett lag, ihren Eltern und kleinem Bruder die Kehlen aufschlitzte. Es fiel ihr schwer, ihre Hand nicht zu ihrem Messer greifen zu lassen. 

Je mehr Zeit Ralof mit Nanija verbrachte, desto mehr fühlte er sich zu ihr hingezogen, auch wenn sie sich ihm gegenüber eher abweisend verhielt. Mit der Zeit, wenn sie ihn besser kennengelernt hätte, würde sie sicherlich aufgeschlossener werden, hoffte er. 

Nanija hatte länger darüber nachgedacht, ob sie auf Ralof Avancen eingehen sollte und sich dagegen entschieden. Sie spürte auch, je mehr Ralof sich ihr zu wandte, desto ungehaltener wurde Gerdur. Aber das konnte ihr ja egal sein. Sobald Ralof wieder gesund war, würden sie nach Windhelm aufbrechen. Nanija hoffte das würde bald der Fall sein. Um Gerdur etwas milder zu stimmen, hatte sie angefragt, ob sie nicht wo Ralof es nun wieder besser gehen würde und er nicht mehr den ganzen Tag betreut werden musste, in der Mühle mitarbeiten konnte. So könnte sie sich dafür, das Gerdur und Hod ihr eine Unterkunft gegeben hatten, revanchieren. 

Gerdur wies das Hilfsangebot von Nanija ab, in der Sägemühle mitzuhelfen. "Ihr würdet nur im Weg stehen und euch wohlmöglich noch dabei verletzten", versuchte sie so freundlich wie möglich die Ablehnung zu formulieren. So überlegte Nanija, wie sie anders zu Geld kommen konnte. Wenn sie mit Ralof nach Windhelm wollte, war es wohl besser, wenn sie eine andere Klinge haben würde, die ihr besser in der Hand lag. Auch einen vernünftigen Bogen könnte Nanija gebrauchen.

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